davaidavai #172
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davaidavai #172

Gerald Hensels kurierter Marketing Link Mix aus zwei Wochen.

22. Februar 2026
Willkommen zu davaidavai 172,

seit ich mehr und mehr AI-generierte Newsletter erhalte, denke ich öfter darüber nach, wie viel AI eigentlich in diesem Newsletter steckt, wie viel ich selbst schreibe und wie viel ich wirklich manuell machen will. Tatsache ist, ich könnte aus davaidavai einen AI-Link-Aggregator machen. Der wäre aber eben nicht mehr mein Newsletter, auch wenn er weniger Arbeit machen würde.

Dennoch. Natürlich nutze ich AI. In der Vorbereitung, zum Strukturieren, Sortieren, manchmal als Sparringspartner für einen ersten Aufschlag, zum Korrigieren.Oft lasse ich mir Texte vorschreiben und korrigiere sie dann komplett, weil ich ein Verhältnis zum geschriebenen Text haben will. Da bin ich Handwerker, da darf ich es noch sein.

Aber: Das System verändert sich. Für mich bleibt – abseits der reinen Content-Produktionslogistik – die Frage zentral, wie wir ein Verhältnis zum Selbstproduzierten behalten können. Kultur ist und bleibt das von uns Geschaffene. Für viele Themen ist Content-Automatisierung schlau, richtig und passend. Aber die Grenzen zu Slop sind fließend. Ich will auch weiterhin in einer Welt leben, in der auch ein paar Menschen eigene Inhalte schaffen, die sie sich selbst ausgedacht haben und die selbst ownen.

In eigener Sache:

Die letzten zwei Wochen war bei mir viel los. Ich war unter anderem in Österreich, wo ich in Linz eine Keynote halten durfte und habe dort überraschend viele davaidavai-Leser:innen getroffen. Gruß geht raus nach Oberösterreich. Mir hat es sehr gut gefallen bei euch.

Dann wählte mich die W&V netterweise in ihr Top 100 Ranking. Den Witz, dass ich das geschafft habe, bevor ich 100 bin, habe ich nun auch ein paar mal genutzt. Ich muss zugeben, ich habe natürlich ein leicht ambivalentes Verhältnis zu solchen Listen. Gleichzeitig freue ich mich sehr, wenn ich draufstehe. Also danke an die Redaktion. Eitelkeit ist offenbar resilienter als jede Medienkritik.

Oh, und dann war ich gleich in zwei Podcasts letzte Woche. Beide sind super. Beide sollte man hören:

Bei „Rocketfuel“ von Dr. Oliver Kemmann haben wir darüber gesprochen, was Marken tun können, wenn sie im digitalen Raum angegriffen werden. Wie man vorbereitet ist, wie man reagiert und wo PR aufhört und Verantwortung beginnt. Mein Partner Fabian Roser war bei Oliver schon mal im Sommer. Da ging es um Agenturen und wie sie in unserer agentischen Zukunft überleben. Kann man hier hören.

Und bei „Peak Civilization“ von Markus Neckar ging es um die Frage, ob das Internet an allem schuld ist. Meine Kurzfassung: Nein. Wir sind es. Aber wir sollten es schlauer bei Transformationen sein. Dazu gibt es in diesem Newsletter auch einen lesenswerten Link (in AI) des Anthropic CEO, der unsere Entwicklungsphase mit technologischer Adoleszenz vergleicht.

Last but not least: Am 17. März trifft sich der Club der Postrationalist:innen wieder in der Hamburger Schanze. Also, liebe Hamburger Strateg:innen (und Umfeld und die, die sich dafür halten), bei Eventbrite gibt es Tickets, die die Unkosten decken sollen. Geld mache ich damit nicht. Spaß wird der Abend aber machen.  

Und jetzt geht’s los mit davaidavai #172.

Ich hoffe, ihr habt Freude beim Lesen. Wir hören uns bei 173.

Viele Grüße
Gerald

       davaidavai

Strategie

Was uns zum Ziel führt

🧩 Ich finde es fantastisch, dass ich Freunde habe, die a) schlau sind und sich b) ausdrücken können. Igor Schwarzmann ist so jemand. Er zeichnet in diesem mal wieder sehr lesenswerten Text die Notwendigkeit für explizite, protokollierte Strategie als transparenten Stack aus Frameworks, Regeln und bewussten Grenzen, der verständlich für Menschen und ausführbar für Maschinen. Was nicht explizit ist, kann nicht herausgefordert werden. Transformation verträgt sich nicht gut mit strategischem Bauchgefühl.

❤️ Arjan Kapteijns nimmt Kevin Roberts‘ Lovemarks-Philosophie und bringt sie ins Agentic Age. Brands müssen nicht nur für Menschen lovable sein, sondern auch für Maschinen legible. Die Achse verschiebt sich von Love/Respect zu Love/Machine Trust. Emotion macht eine Brand meaningful, Structure macht sie visible. Together machen sie sie chosen. Eine neue Art, über Markenführung nachzudenken, wenn intelligente Agents mitentscheiden, was auf die Shortlist kommt.


Creative & Ideen

Gute und schlechte Ideen

The State of OR
Wieden+Kennedy

🏔️ Das mag ich. Will nach Oregon (wenn Trump irgendwann wieder weg ist). Wieden+Kennedy macht Tourismus-Werbung für den Pazifik-Staat und nutzt das Kürzel OR als richtig gutes Brand Element. Zugegeben, das Ganze ist ziemlich vignettenartig. Aber bei Tourismus-Kommunikation finde ich das total okay.

The State of OR

Apple × Bad Bunny: Shot on Iphone

YouTube

📱 Der wirklich letzte Artikel zu Bad Bunny. Aber Apple hat die viel zitierte Super Bowl Halftime Show durch iPhone-Linsen von Fans weltweit eingefangen. 23 Fotografen, 15 Locations, 11 Zeitzonen. Menschen, die gleichzeitig dieselbe Show erleben, von Puerto Rico bis Tokio. Am Ende kommt ein ziemlich großer Teppich an – ausnahmsweise – mal guter Laune raus. Und dazu auch ein wenig subtiles Statement einer Marke, deren Chef bei POTUS am Tisch sitzt.

🏈 Sorry, wenn jetzt ein paar von euch mit den Augen rollen. Aber bei aller Transformation, kommt man im Marketing eben immer noch nicht an Spots vorbei, die acht bis zehn Millionen Dollar für 30 Sekunden Airtime kosten. Noch ärgerlicher wird das Ganze, wenn eigentlich niemand über die Spots spricht sondern nur über Bad Bunny. Aber hier ist trotzdem eine gute Übersicht to whom it may concern, sortiert nach Hits & Misses.

New Orleans‘ Kaffeemarke Folgers zelebriert den Kaffeemorgen mit Songs, die „Wake me up“ im Titel tragen. Eine Song-Collage als Liebeserklärung an den Moment, in dem der Kaffee kickt. Simpel, aber effektiv. Und überraschend catchy als kleiner Film.


Kreative Wirtschaft

Neue und dystopische Ideen für die, die gestalten

Synthszr
Matthias Schrader

📧 Der geschätzte Matthias Schrader ist, wie immer, wahnsinnig produktiv. Mit Synthszr hat er seine Tech-Inbox von Newslettern automatisiert. Syntheszr gewichtet „Hot or Not“ aus den Newslettern, die er selbst empfängt, und stellt das alles einem kompakten Newsletter dar, der morgendlich kommt. Praktisch. Aber nichts geht über menschliche Kuration bei Newslettern, siehe Intro Beitrag. 😉

🎮 Ein dystopisches Browser-Spiel über den Kampf zwischen Stock Price, Headcounts, Kreativpunkten und der AI in einer VÖLLIG FIKTIVEN Werbeholding namens Omnivore. Du bist entweder CEO (kämpfst gegen Headcounts) oder Agentur (kämpfst gegen AI). „DER INFLUENCER, DEN DU GEHIRED HAST, WURDE GERADE WEGEN EINES 10 JAHRE ALTEN TWEETS GECACELT, WAS MACHST DU JETZT?“ Dark, lustig und ziemlich nahe dran an der Realität (oder was wir dafür halten).


Michelangelo

Michelangelo Buonarroti, Die Versuchung des Heiligen Antonius, 1487


Du bist neu hier? Cool. In diesem Newsletter kuratiere ich, Gerald Hensel, alle zwei Wochen meine liebsten „Marketing & Gedöns“-Links.

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Design

Artikel, für die, die gestalten

🏗️ Warum ist alles so hässlich geworden? Die übliche Antwort: Gierige Konzerne, faule Designer, Minimalismus. Stimmt alles ein bisschen. Aber die Leute beschuldigen die falschen Dinge. Design Theory erklärt in einem ziemlich erhellenden Video, wer wirklich entscheidet, wie unsere Umgebung aussehen darf. Und warum moderne Sicherheitsstandards oft in direktem Konflikt mit gutem Design stehen. John Mariellos Kanal finde ich übrigens sehr abonnabel.

✍️ In einer Phase, in der AI visuelle Welten zunehmend angleicht, argumentiert Jessica Walsh, dass ausgerechnet Typografie zur letzten Bastion des Handgemachten werden könnte. Gerade sie tendiert historisch zur Konvergenz und wirkt oft austauschbar. Wirklich eigenständige Typo entsteht jedoch nicht automatisch, sondern durch bewusste, menschliche Entscheidungen und klare gestalterische Boards. Für Marken, die ihre Echtheit beweisen wollen, könnte genau hier wieder ein echter Differenzierungsraum liegen.

Wer hält das Steuer?
UX Collective

🎛️ Die meisten AI-Produkte scheitern nicht an schlechten Modellen, sondern an falscher Rollenverteilung. Wir bauen UIs, die Kontrolle simulieren, statt Verantwortung zu klären. Die AI Delegation Matrix stellt die unbequeme Frage: Wann entscheidet der Mensch wirklich? Wann unterschreibt er nur noch ab? We need a systematic way to move beyond „assistance everywhere.“ We need to know when to step back and let the machine take the wheel entirely, and when to protect the human’s role as the accountable driver.

Was Designer:innen verlernen müssen

UX Collective

🔄 Die alten Regeln funktionieren nicht mehr. Wir alle sind in inrgendeiner Zeit mit irgendwelchen Überzeugungen sozialisiert worden, die nun zum Problem werden können. Aber: Welche heiligen Kühe müssen in einer agentischen Ära von Designer:innen geschlachtet werden, damit Teams in einer relevant bleiben? Spoiler: Es geht nicht um neue Tools. Da gibt es noch mehr.


Image

Content

Über Inhalte, die ankommen

Buzzword Bingo: Artisan Advertising
Marco Angelidens auf LinkedIn

🎬 Um zu beweisen, dass ihr keine AI in eure Spots eingebaut habt, müsst ihr jetzt Making-of-Videos machen. Artisan Advertising, handgemachte Werbung als Gegenbewegung zur AI-Flut. Das Buzzword für die Bucketlist 2026. Merkt euch wo ihr es herhabt, bevor es überall ist.

Next Gen News
FT Strategies / Knight Lab

📰 Angeblich liest ja keiner mehr Nachrichten. Spoiler: stimmt nicht. Die Gen Z konsumiert News, nur anders, schneller, selektiver und mit ziemlich feinem Bullshit-Detektor. Sie nutzt KI wie einen Praktikanten: hilfreich, aber bitte alles nochmal prüfen. Wer 2030 noch mitspielen will, muss Distribution und Community ernster nehmen als das eigene Sendungsbewusstsein.

📊 Ahrefs hat über eine Milliarde Datenpunkte zur AI-Sichtbarkeit analysiert. Das Fazit: SEO stirbt nicht. Aber es verliert sein Monopol. YouTube schlägt Backlinks. Aktualität schlägt Autorität. Struktur schlägt Textmasse. AI-Systeme wechseln ihre Quellen im Tagesrhythmus, aber halten an denselben Narrativen fest. Und während Google weiter dominiert, entscheidet sich AI-Sichtbarkeit gerade fast vollständig bei ChatGPT.


AI

Künstliche Intelligenz und neue Ideen

😳🧚🏾 Drei Stunden Podcast über einen Prototyp, der in einer Stunde entstand. Peter Steinberger erzählt sein Developer-Räubermärchen. Was am meisten fasziniert: wie oft er von „Spaß“ und „Joy“ spricht. Da ist jemand Überzeugungstäter.

🧬 Anthropics CEO nennt es „technologische Pubertät“: Wir entwickeln AI, die intelligenter ist als Nobelpreisträger. Millionenfach, autonom, skalierbar. Die Frage ist weniger Pro oder Contra, sondern ob unsere politischen und moralischen Systeme mit der Macht mithalten, die wir gerade erschaffen. Amodei argumentiert nüchtern und zeigt, warum Wegsehen keine Option ist. Dank Sina Rabe-Schultz für den Link.

🗂️ Endlich versucht mal jemand Worte zu definieren. AI ist ja mittlerweile alles und nichts. Und wer einen Begriff für alles verwendet, bekommt wahrscheinlich nichts. Dieses Framework sortiert nach Funktion, nicht nach Technik und macht dabei einen guten Job, komplexe Sachverhalte in kleine Schubladen einzuordnen, die es manchmal zum Klardenken braucht. Begriffe sind wichtig.

📚 Ja, schon wieder Notebook LM. Aber jetzt hängt Gemini dran, beide aus dem Hause Google, und genau dieser Link macht den Unterschied. Es ist kein weiteres Tool, sondern ein Setup, das Recherche, Denken und Output sauber verbindet. 30 praktische Beispiele findest du hier.


Retro Kommunikation

Heilmann’s

🤢 Wer diesem Newsletter folgt, weiß ich, dass ich eine leichte Obsession für geschmacklose Jelly-Kreationen aus der Mitte des 20. Jahrhunderts habe. Heilmann’s inszenierte 1938 diesen „Frozen Fruit“ Albtraum in einer Werbung. Wer was auf sich hielt, wollte damals in den USA genau da hin.

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Schlaue Karten

Was deutsche Städte erwirtschaften

🗺️ Dass Hamburg in Sachen Wirtschaftskraft das BIP der gesamten Ukraine repräsentiert, hätte ich nicht erwartet. Hab die Zahlen gecheckt. Sie stimmen. Grafik von ZDFinfo auf Instagram.

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Wahre Geschichte

Bunt gemischt, Zeitgeschichte und Musik

💰 Der wahnsinnig reiche Gründer des Duty-Free Unternehmens DFS Group arbeitete 38 Jahre daran, arm zu werden. 1982 gründete er heimlich eine Stiftung und überschrieb ihr sein ganzes Vermögen, ohne viel Tamtam. 2023 verstarb er mit noch 2 Millionen US-Dollar, was in San Francisco ja eher ein moderates Vermögen ist. Chuck Feeney ist das Vorbild für viel Philanthropen da draußen. Möge er in Frieden ruhen.

📬 Unread.ooo beweist, dass jede neue Technologie auch faszinierende Storytelling Experimente ermöglicht. So wie das: Du öffnest die Mailbox einer Person (real oder erfunden) und siehst ihre ungelesenen Emails. Jede Mail erzählt ein Stück ihrer Geschichte. Du stöberst durch die Inbox, liest Mails, entdeckst Zusammenhänge. Sensationell gut gemacht.

🎬 Wahrscheinlich eine der berührendsten und tiefsten Dokus, die ich seit langem gesehen habe. Dmytro „Dok“ Dokunov – Krishna-Anhänger, Hippie, Künstler – wird aus einer ukrainischen Kommune zum Kriegsdienst eingezogen. Mit ständig eingeschalteter Kamera dokumentiert er, wie sein Leben zwischen dem Töten, der Verbundenheit mit seinen Jungs, seiner Partnerschaft und dem Leben, was er vorher hatte, funktionieren kann. Und: Wie schafft man es, zwischen omnipräsentem Tod seinen Sinn für Schönheit zu bewahren? Wer sich für das Thema Ukraine interessiert. Als Politologe, der ich ja auch noch bin, gebe ich seit Jahren den (seit Jahren auf Ukraine fokussierten) kuratierten Sicherheitspolitik Newsletter Neue Bellona heraus.

🎤 Zum Abschluss gibt es ja immer Musik bei mir. Heute sind es zwei Rapper aus der indischen Millionenstadt Nagpur. Aadduz ist der böse Gangsta, Prathamesh eher der Lyriker. Und man stellt auch ohne ein Wort zu verstehen fest, dass Hindi für harten Rap ganz gut gemacht ist. Fühlt sich vom Vibe her alles genau so an, wie meine Kinder ins Bett zu bringen.

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Geschrieben und kuratiert von Gerald Hensel

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