davaidavai 185
Herstellen kostet kaum noch etwas. Teuer ist jetzt der Rest: entscheiden, was gut ist.
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19. Oktober 2026

davaidavai 185

Gerald Hensels kurierter Marketing Link Mix aus zwei Wochen.
„Ich lese für euch vor, damit ihr es nicht machen müsst.“

Willkommen zu davaidavai 185, diesmal am Montag. Ich probiere aus, ob der Wochenstart als Versandtag besser passt als der Sonntag. Neu aussehen tut davaidavai auch. Sagt mir gern, wie ihr beides findet.

Drin ist wie immer einiges, und vieles davon kreist um dieselbe Frage: Wenn das Herstellen von Dingen kaum noch etwas kostet, was ist dann noch etwas wert? Die Antworten reichen vom Kosmetikkonzern über einen Zahnarzt in Frankfurt bis zu japanischen Lotterielosen.

In eigener Sache: Am 25. November gibt es wieder den Club der Postrationalist:innen, Ausgabe IV, im Haus 73 an der Hamburger Schanze. Tickets gibt es bei Eventbrite.

Viel Spaß und einen guten Start in die Woche

Gerald

P.S. davaidavai ist gratis, aber für mich nicht kostenlos. Wer mich dabei unterstützen will, kann mir ein paar virtuelle Euro in den virtuellen Sparstrumpf ganz unten stecken. Einige von euch tun es sogar schon. Highly appreciated.

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Heute drin

Strategie  ·  Kreativwirtschaft  ·  Creative  ·  Design/UX  ·  Content  ·  AI  ·  Wilde Werbung  ·  Wilde Karten  ·  Wahre Geschichte

 
01  Was uns zum Ziel führt

Strategie

Shiseido: Der Funnel bricht zusammen
Behind the Brand / Katie Dobson

🛍️ Marketing hat lange in den klassischen Stufen gedacht: erst bekannt werden, dann überzeugen, dann verkaufen. In diesem Interview spricht Katie Dobson vom Kosmetikkonzern Shiseido über den Kollaps dieses Systems und die Tatsache, dass entdecken, suchen und kaufen mittlerweile gleichzeitig passieren.

Wer eure Marke in der AI beschreibt: fast nie ihr selbst
State of Brand

🔍 Die Debatte um den Wertbeitrag von SEO und GEO geht weiter (und sie ist wichtiger als man denkt). Laut einer Studie, die State of Brand auswertet, kommen 85 Prozent der Markennennungen in AI-Antworten von fremden Seiten, die eigene Website liefert nur 5 bis 10 Prozent. Was Menschen über Marken via Chatbots erfahren, hat also wenig damit zu tun, was wir gerne über unsere Brands selbst sagen.

Wem gehört der Kunde, wenn ein Agent für ihn einkauft?
Harvard Business Review / Sangeet Paul Choudary

🛒 AI-Assistenten kaufen für uns ein: Man sagt, was man braucht, und der Assistent bestellt. Wem gehört dann die Kundschaft, dem Shop oder dem Assistenten? Sangeet Paul Choudary, Autor des wirklich schlauen Buchs „Reshuffle“, erklärt in der Harvard Business Review, warum die alten Mittel der Kundenbindung dann nicht mehr reichen und warum die Customer Experience zu den AI-Konzernen wandert.

 
Bildbreak: Nintendo
 
02  Gute Links für eine Branche im Dauerwandel

Kreativwirtschaft

Creative Intelligence 2026: AI ersetzt die Kreativen nicht
Contra Labs

📊 Selten so einen hübschen Report gesehen. Die Plattform Contra hat über 150.000 Kreative gefragt, wie sie mit AI arbeiten. Die meisten nutzen natürlich AI längst, und ersetzt wurden sie dadurch nicht, ihre Projekte werden eher größer. Kleiner Hinweis: Contra vermittelt Aufträge an Freelancer:innen und hat ein Interesse an genau dieser Geschichte. Es gibt ja keine Whitepapers mehr, die nur objektiv sind.

Müssen Agenturen billiger werden, wenn AI hilft?
Speckyboy / Eric Karkovack

⏱️ Wenn AI eine Arbeit in fünf Stunden statt in fünf Tagen erledigt, wollen Kund:innen natürlich weniger zahlen. Wir alle kennen die Diskussion. Sollen Agenturen dann billiger werden? Eric Karkovack plädiert für anderes Denken: nicht mehr nach Stunden abrechnen, sondern einen festen Preis fürs Ergebnis nehmen.

Paul Graham: How to Do Great Work
paulgraham.com / Paul Graham

🧭 Paul Graham hat das Start-up-Programm Y Combinator gegründet und schreibt Essays übers Arbeiten. In diesem erklärt er, wie gute Arbeit entsteht: ein Thema finden, das einen wirklich packt, alles darüber lernen und dann den Lücken nachgehen, die noch niemand gefüllt hat. Eigene Nebenprojekte sind dafür der beste Weg. Passt ein wenig zu einem Beitrag, den ich neulich über Side Hustles geschrieben habe.

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03  Kampagnen, Spots, Markenfilme, Cases

Creative

Visit Sweden: The Introvert Travel Agency
theinspiration.com / Visit Sweden

🤫 Visit Sweden, das Tourismusbüro des Landes, hat ein Fake-Reisebüro für Introvertierte eröffnet, also für Leute, die im Urlaub möglichst mit niemandem reden wollen. Dürfte sogar funktionieren, weil viele Menschen genau das wollen. Wer Kinder hat, kennt das Thema mit der Suche nach Ruhe. Den Film gibt es hier.

Sonos: Feel the System
YouTube / Sonos

🔊 Sonos baut bekanntermaßen vernetzte Lautsprecher. In deren neuem Film geht es vor allem um das Gefühl, wenn Musik den ganzen Raum füllt, die Technik bleibt im Hintergrund. Ein schöner Produktfilm, der das Produkt fast versteckt. Gut gemacht.

Dr Rassaf: Ultra
Instagram / Dr. Rassaf

Props Dr. Rassaf für die Headline der Woche. Der Zahnarzt hat einen typischen Frankfurter Weg gewählt, um sein Dienstleistungsversprechen zu dramatisieren. Ich lolte. 👇

Dr Rassaf: Ultra
Ein Mensch, ein Modell, ganz Mittelerde
Reddit / r/claude

🧙 Eine einzelne Person hat das AI-Modell Claude Opus 5.5 ein komplettes Mittelerde aus „Herr der Ringe“ als 3D-Welt bauen lassen und daraus einen knapp vierminütigen Film gemacht. Was früher ein ganzes Team brauchte, schafft heute eine Person mit Geduld. Ich muss es nochmal sagen: Ich bin AI-Fan.

 
04  Über gute Gestaltung und Nutzerführung

Design/UX

Patrick Neeman: Der Double Diamond ist tot
UX Collective / Patrick Neeman

💎 Viele Designteams arbeiten nach dem „Double Diamond“: erst breit Ideen sammeln und eingrenzen, dann breit Lösungen entwickeln und wieder eingrenzen. Der UX-Designer Patrick Neeman hält das für überholt. Weil AI heute an einem Nachmittag einen funktionierenden Prototyp baut, liegt die eigentliche Arbeit am Ende: entscheiden, welche von zwanzig Varianten gut ist.

Grafikdesign 2027: Belohnt wird, was ein Generator nicht fälschen kann
WE AND THE COLOR / Dirk Petzold

✍️ Listen mit Designtrends gibt es ja gegen Ende des Jahres besonders gerne. Diese hier ist ziemlich gut. Man merkt dabei, dass es eine Rückbesinnung auf Design gibt, das vermeintlich zeigt, wie und von wem es gemacht wurde. Manuelle Arbeit wird gerade wieder etwas geiler. Oder zumindest der Look davon.

F*cking Good Libraries
fglibs.com / Florian Bölter

🧰 Wer mit AI eine Website baut, will oft Effekte wie Animationen oder bewegte Menüs. Die muss man nicht jedes Mal neu erfinden lassen. Florian Bölter sammelt auf dieser Seite fertige Bausteine dafür, die andere schon sauber programmiert haben. Lesezeichen setzen.

Typografie als Protest
Creative Review / Adam Woodward

✊ Das kaufe ich mir: Der Designer Theo Inglis hat ein Buch darüber geschrieben, wie Schrift auf Plakaten und Bannern zum Werkzeug von Protestbewegungen wurde, von den Frauenrechtlerinnen um 1900 bis heute. Überraschend: Als Werbung noch cool war, haben sich viele Bewegungen ihre Gestaltung genau dort abgeschaut. Zu AI-Bildern auf Demos sagt Inglis knapp: „Truth is what is important.“

 
Bildbreak: Wikipedia, Who Me
 
05  Über Inhalte und wie man sie misst und distribuiert

Content

AI-Suche und Google wachsen zusammen
LinkedIn / Nate Elliott

🔎 Lange hieß es, ChatGPT nehme Google die Suche weg. Nate Elliott vom Marktforscher EMARKETER sieht es anders: AI und klassische Suche wachsen zusammen, und davon profitiert ausgerechnet Google. Laut Prognose hat Googles eigener AI-Modus in den USA schon 2027 mehr Nutzer:innen als ChatGPT.

LinkedIn versteckt eure Posts nicht, es verkauft sie euch zurück
State of Brand

📉 Wer auf LinkedIn postet, erreicht seit dem Frühjahr deutlich weniger Leute, Firmenseiten ganz besonders. State of Brand erklärt, warum: Seit LinkedIn den Feed von einem Sprachmodell sortieren lässt, landet die Reichweite bei wenigen Profis, die ihre LinkedIn-Verbreitung gut organisiert haben. Macht aber nix: Wer mehr Sichtbarkeit will, kann sie jetzt wieder bei LinkedIn kaufen. What a time to be alive.

Google baut Discover zum Concierge um
SEO Südwest / Christian Kunz

🛎️ Google Discover ist der Nachrichtenfeed, den viele auf dem Handy unter der Google-Suche sehen, und für Medien eine wichtige Quelle für Besucher:innen. Laut einer Stellenanzeige will Google daraus eine Art persönlichen Assistenten machen, der gleich Produkte, Werkzeuge und Anleitungen vorschlägt. Noch ist das nur eine Anzeige. Wer von Discover lebt, darf trotzdem schon mal nervös werden.

 
06  All Hail our Robot Overlords

AI

Adobe, Claude und das Ende der Software
Medium / Michal Malewicz

🖌️ Jemand hat sich mit AI einen Ersatz für Photoshop, Lightroom und After Effects gevibecodet, mit direktem Effekt auf Adobes Aktie. Designer Michal Malewicz fragt, was aus Software wird, wenn sich immer mehr Leute ihre Software mit AI selbst bauen. Seine Antwort: Software verschwindet nicht, aber es wird insgesamt weniger Apps geben, und die großen Anbieter verdienen weniger.

Anthropic: Wenn sich AI auf den Fernseher kopiert
Zeit Online

📺 Anthropic hat im Labor getestet, ob sich AI-Modelle selbst vervielfältigen können. Kleinere Modelle haben sich dabei auf Android-Fernseher und Smart-Home-Geräte kopiert. Das Problem: Eine Software, die auf tausenden Geräten verteilt ist, kann man nicht mehr an einer Stelle abschalten. Ich schau dann mal, was mein Fernseher so macht.

Wenn Menschen zum Rundungsfehler im Netz werden
TechRadar / Christian Cawley

🤖 Cloudflare sorgt dafür, dass ein großer Teil aller Websites schnell und sicher läuft, und sieht deshalb, wer im Netz unterwegs ist. Der Finanzchef der Firma hat schon vor ein paar Monaten ein interessantes Rechenbeispiel in Sachen AI-Reichweite formuliert. Er geht davon aus, dass Bots und AI in fünf Jahren bis zu tausendmal so viel Verkehr machen wie Menschen. „Humans will be a rounding error on the internet.“

Steven Strogatz: Wenn die Besten trauern
The New York Times / The Daily (Video auf Instagram)

🧮 Vor ein paar Jahren scheiterte AI noch an einfachen Rechenaufgaben, jetzt hilft sie, berühmte ungelöste Probleme der Mathematik zu knacken. Der Mathematiker Steven Strogatz erzählt im Podcast der New York Times, wie aufregend das ist und wie traurig, wenn eine Maschine eine Arbeit übernimmt, die Menschen Sinn gibt. Ein fast rührend ehrlicher Clip.

 
07  Kommunikation aus einer anderen Zeit

Wilde Werbung

🛋️ Die Nostalgiewelle hat die 1980er längst erfasst. Aber abseits von Synthwave waren die 80er vor allem ein Ort absurder ästhetischer Entscheidungen. Zum Beispiel diese Plüschsitze, vorgestellt vom Schauspieler Ricardo Montalbán. Übrigens gab es auch Toiletten mit Teppichboden. 👇

Werbung aus den 1980ern: Ricardo Montalbán stellt Plüschsitze vor
 
08  Karten, die die Welt erklären.

Wilde Karten

Wie eine Karte braun wird
Katapult (Video auf Instagram)

🗺️ Katapult zeigt den Aufstieg der NSDAP als Video. Wahl für Wahl. Auch bei uns gab es keine Nazis, die an Tag 1 einfach im ganzen Land die Macht übernahmen. Es gab viele Orte, an denen sich der Horror langsam hochschaukelte, an denen Unsagbares sagbar wurde und viele kleine Wahlen plötzlich gewonnen wurden. So lange, bis der Horror plötzlich allumfassend war. Ähnlichkeiten mit aktuellen Prozessen sind natürlich rein zufällig. 👇

Wilde Karten – Katapult: Aufstieg der NSDAP bei den Reichstagswahlen, zum Video auf Instagram
 
09  Interessantes, Haarsträubendes und Musik

Wahre Geschichte

Der gefährlichste Tag der Geschichte
BBC World Service / The Bomb

☢️ Am 27. Oktober 1962 schießt die Sowjetunion über Kuba ein amerikanisches Spionageflugzeug ab, der Pilot stirbt, und auf der Insel stehen Atomraketen fast startbereit. Die BBC erzählt diesen „Schwarzen Samstag“ der Kubakrise mit zwei Verwandten der Gegenspieler, Max Kennedy und Nina Chruschtschowa. Wie knapp die Welt damals davonkam, will man eigentlich gar nicht so genau wissen.

Japanische Lotterielose der 1950er
Instagram / @__luckbook

🎟️ Ein Instagram-Account zeigt japanische Lotterielose aus den 1950er und 1960er Jahren, und die sind unfassbar schön gestaltet. Dahinter steckt eine erstaunliche Geschichte: Das erste Nachkriegslos gab es im Oktober 1945, zwei Monate nach der Kapitulation, für 10 Yen. Wer viermal verlor, bekam als Trostpreis zehn Zigaretten. Ein Land verkauft Hoffnung, und zwar mit sehr viel Stil. 👇

Japanisches Lotterielos aus den 1950ern
Was Rechenzentren eigentlich tun
The New York Times / Aatish Bhatia

🔢 Die New York Times zeigt in einer schönen interaktiven Grafik, wie viel gerechnet werden muss, um ein AI-Modell zu trainieren. Für GPT 1 waren es 2018 schon 18 Trillionen Rechenschritte, für das aktuelle GPT 6 Astra fast eine Oktillion. Das ist tausendmal mehr, als es Sterne im bekannten Universum gibt.

Allen Stone: Ride Like the Wind
YouTube / Allen Stone

🎸 Zum Schluss, wie immer, Musik. Manche Tracks sind so sensationell, dass sie auch nach fast 50 Jahren noch total rocken. „Ride Like the Wind“ von Christopher Cross ist einer davon. Vor einem Jahr hat Allen Stone den Song gecovert, und mit Christopher Cross kann man, glaube ich, auch nichts falsch machen. Ein guter Track, egal wie, wann und von wem gespielt. 👇

Allen Stone singt Ride Like the Wind

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